Regionalliga-Reform von "11 Freunde": mein Gegenvorschlag

In ihrer aktuellen Printausgabe unterbreitet das Fußball-Magazin "11 Freunde" ab Seite 42 einen umfassenden Vorschlag zur Reform der Regionalliga. Dieser Vorschlag geht meiner Meinung jedoch nicht weit genug. Hier mein Gegenvorschlag.

Diesen Beitrag teilen:



Ich teile die Auffassung der 11 Freunde-Redaktion (und unzähliger anderer Menschen auch) voll und ganz dass die Regionalliga einer Reform bedarf. Eine Mannschaft, die nach einem ganzen Jahr harter Arbeit die Meisterschaft in ihrer Spielklasse gelingt, soll und muss nicht nur mit einer schönen Jahreszahl auf dem Briefkopf belohnt werden, sondern auch mit dem Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse (so sie denn die erforderlichen Lizenzauflagen erfüllt). Doch halte ich den Ansatz der von mir wirklich sehr hoch geschätzten 11 Freunde-Redaktion in manchen Teilen für unvorteilhaft und zu kurz gedacht. Um welche Punkte es mir hierbei im einzelnen geht möchte ich im Folgenden ausführen.

Vier statt drei Staffeln

Mit der vorgeschlagenen Staffeleinteilung bin ich im Großen und Ganzen einverstanden: die Regionalliga Süd umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, in der West-Staffel spielen Teams aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Womit ich Probleme habe ist die von 11 Freunde vorgeschlagene Nord/Nordost-Staffel, denn diese umfasst schlicht eine viel zu große Fläche (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen). Für einen Neuaufsteiger aus dem Emsland kann eine Auswärtsfahrt ins Erzgebirge (oder umgekehrt) leicht das zur Verfügung stehende Budget für Fahrtkosten sprengen, zumal es mit der An- und Abreise allein ja auch nicht getan ist. Nach dem Spiel, was im ungünstigsten Fall auch noch Abends angesetzt wird, muss eine Unterkunft gefunden werden, die Auswärtsfahrt wird also zum zwei-Tage-Trip. Die Spieler sind in der Regel Amateure, müssen am nächsten Tag also eventuell auch noch bei ihren regulären Job erscheinen. Problematisch und im Alltag auf Dauer nicht zu bewältigen.

 

Eine Regionalliga-Staffel die eine derart große räumliche Fläche umfasst ist nicht praktikabel. Ich halte es daher für sinnvoll diese Staffel in eine Nordstaffel (Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) und in eine Oststaffel (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) aufzusplitten. Dem Hauptziel, nämlich jedem Staffelmeister den Aufstieg zu garantieren, tut das meiner Meinung nach keinen Abbruch, denn wenn eine 2. Bundesliga mit nur 18 Teilnehmern zwölf Jahre lang (1995/1996 bis 2007/2008) vier feste Absteiger verkraften konnte, dann kann eine 3. Liga mit 20 Mannschaften das auch - und somit jedes Jahr auch vier Regionalliga-Meister neu aufnehmen.

Meister müssen aufsteigen dürfen - das gilt nicht nur für die Regionalliga!

Der folgende Punkt ist mir persönlich fast noch wichtiger da ich Mitarbeiter eines betroffenen Vereins bin ("mein" Bremer SV wurde vier Jahre hintereinander Bremer Meister, stieg aber trotzdem nie auf). Das Privileg des Aufstiegs sollte nicht nur den Regionalliga-Meistern garantiert werden, dies sollte auch für die unteren Spielklassen gelten. Und da zeigt sich eine weitere Schwäche des Drei-Staffel-Plans von 11 Freunde: unterhalb der aktuell fünf Regionalligen versammeln sich derzeit 14 Ober- bzw. Verbandsligen, deren Meister derzeit nur teilweise ein direktes Aufstiegsrecht genießen. Wenn es bei fünf Regionalliga-Staffeln schon nicht für ein generelles Aufstiegsrecht für alle Fünftliga-Meister reicht, wie soll es dann mit dreien funktionieren. Selbst mein Vorschlag mit vier Staffeln würde nur funktionieren wenn die aktuellen fünften Ligen ebenfalls reformiert werden würden. Vorgestellt hatte ich mir das so:

  • unterhalb der Regionalliga Nord zwei Oberligen: Niedersachsen/Bremen und Hamburg/Schleswig-Holstein (Meister steigen auf, Vizemeister spielen dritten Aufsteiger aus);
  • unterhalb der Regionalliga Ost ebenfalls zwei Oberligen: Nordost (mit Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) und Südost (mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) (Meister steigen auf, Vizemeister spielen dritten Aufsteiger aus);
  • unterhalb der Regionalliga West drei Oberligen: Nordrhein-Westfalen, Südwest (mit Rheinland-Pfalz und Saarland) und Hessen (Meister steigen auf).
  • unterhalb der Regionalliga Süd zwei Oberligen: Baden-Württemberg und Bayern (Meister steigen auf, Vizemeister spielen dritten Aufsteiger aus).

Auch diese Reformen hätten zwangsweise Änderungen in den noch tiefer liegenden Spielklassen zur Folge und natürlich auch zahlreiche unfreiwillige und nicht-sportliche Abstiege. Ich sehe hierbei aber noch die fairste Variante - solange man an der eingleisigen 3. Liga festhalten will.

Fazit

Viele sind mit der aktuellen Situation unzufrieden. Aus teilweise sehr unterschiedlichen Gründen, die alle nachvollziehbar sind. Reformen sind nötig, aber sehr schwierig. Es wird unter Garantie keine Lösung geben an der niemand etwas zu kritisieren hat. Ob die U23-Teams in einen separaten Spielbetrieb ausgelagert werden oder nicht halte ich da noch für das geringste und fast schon völlig zu vernachlässigende Problem. Vielleicht hilft es dem Bestreben die Anzahl der Unglücklichen zu minimieren wenn man wieder das Schaffen eines möglichst fairen sportlichen Wettbewerbs in den Fokus der Überlegungen rückt anstelle von Vermarktungsmöglichkeiten oder Verbandsegoismen.

Diesen Beitrag teilen:



Kommentare:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0