Instagram-Fitnessgirls

Ich bin gerade drüben auf Instagram zufällig über einen "Fittnessgirl Motivation"-Account gestolpert. Beim durchstöbern dieses Profils und der dort geposteten Fotos und Kommentare habe ich sehr viele interessante Dinge gelernt.

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1.: Zielgruppe?

Der Account hat mehrere Millionen Follower. Ich habe mir jetzt natürlich nicht die ganze Liste durchgesehen, aber in dem Teil den ich angeschaut habe waren rund 95 Prozent Männer. Männer mit einer Vorliebe für erigierte männliche Geschlechtsorgane als Profilbild. Vermutlich Anatomiestudenten. Ganz bestimmt.


2.: Dresscode

Fitnessgirls unterliegen einer strengen Kleiderordnung. Erlaubt sind ausschließlich sehr, sehr, sehr hautenge Outfits in ABC-Warnfarben, bevorzugt hergestellt von Multimilliardenkonzernen die ihre Produkte von Minderjährigen in Dritte-Welt-Staaten produzieren lassen (wichtig: das Logo muss gut zu sehen sein!). BHs oder sonstige sichtbare Unterwäsche sind streng verboten, Brustwarzen und Schamlippen müssen sich gut sichtbar abzeichnen. Es gibt allerdings einige wenige Ausnahmen von dieser Kleiderordnung, doch dann darf maximal 15% des Körpers bedeckt sein.


3.: Dürre am Äquator

Der Körperumfang eines Fitnessgirls oberhalb der (gut erkennbaren!) Hüftknochen, also etwa auf Höhe des Bauchnabels, sollte nur minimal größer sein als der Halsumfang. Erlaubt sind maximal zehn Prozent Differenz. Zu diesem Zweck dürfen störende innere Organe gerne ausgelagert und zur Finanzierung der horrenden Fitnessstudio-Gebühren und Hightech-Outfits veräußert werden. Hingegen ist es nicht zulässig das Prinzip umzukehren indem man durch das Lesen dieses Artikels einfach einen dicken Hals bekommt. Das wäre geschummelt.


4.: Pflicht zur Lücke

Berühren sich deine Oberschenkel, dann bist du auch kein Fitnessgirl. Der geforderte Mindestabstand beträgt drei Zentimeter. Gleichzeitig dürfen deine Beine aber auch nicht so aussehen als würdest du dich nur von Staub und drei Grashalmen pro Tag ernähren (obwohl das nahe an der Wahrheit ist). Wie du diesen Spagat fertig bringst ist dein Problem. Für jedes Gramm Fett an deinen Oberschenkeln wird stündlich ein Einhorn und ein süßes Kätzchen von deinen kritischen Followern abgemetzelt, das ist ein psychischer Druck mit dem du zusätzlich klar kommen musst.


5.: Urwaldsterben

Körperbehaarung ist strengstens verboten. Einzige Ausnahme: Kopfhaar und Augenbrauen. Wer mit unerlaubtem Haarwuchs erwischt wird verliert seine Instagram-Lizenz. Es wird als selbstverständlich erachtet dass du das Martyrium des Waxings und Haare-einzeln-mit-der-Pincette-Ausreißens täglich auf dich nimmst. Die Schmerzen sind ein kleiner Ersatz dafür dass du nie Kinder bekommen kannst, denn das würde deine Figur ja völlig versauen. Dass Haarentfernungsprodukte für Frauen doppelt so teuer sind wie identische Produkte für Männer hat dir egal zu sein.


6.: Gravitation

Wenn trotz deiner Wespen-Figur die Größe deiner Oberweite nicht ausreicht um deinen Starbucks-Becher darauf abstellen zu können, dann stimmt wirklich etwas nicht mit dir und du solltest sofort einen Termin beim Chirurgen machen. Achte dabei aber auf qualitativ hochwertige Produkte, denn die Erdanziehungskraft ist dein natürlicher Feind. Die beißenden Rückenschmerzen die sich durch die einseitige Belastung einstellen werden existieren sicher auch nur in deinen Kopf. Ärzte erzählen dir bestimmt was anderes, aber die müssen ja auch keinen Insagram-Account füttern.


7.: Gesichtsverlust

Wenn du ein Selfie mithilfe eines Spiegels machst dann ist es absolut nicht schlimm wenn du dabei dein Handy direkt vor dein Gesicht hältst, denn darauf achtet sowieso niemand. Jedoch muss von den "Big-3", also Brüste, Genitalbereich und Hinterteil, mindestens eines gut sichtbar im Bild sein. So demonstrierst du auch hervorragend dass du es völlig in Ordnung findest auf deinen Körper und dessen sexuelle Attribute reduziert zu werden. Individualität und Persönlichkeit bleiben dir schließlich immer noch wenn du 40 bist und deine Knochen morsch sind.


8.: Open for business

Deine Posen, die Gestik und deine Mimik müssen maximale Fickbarkeit suggerieren. Entsprechend degradierende Kommentare unter deinen Fotos hast du zu ignorieren oder mit Zwinkersmileys zu beantworten. Du hast einen YouPorn-tauglichen Körper, also nimmt die Follower-Gemeinde automatisch an dass du diesen auch dafür zur Verfügung stellst. Tust du das nicht ist es wichtig die Leute zumindest glauben zu lassen dass du es tust, sonst kostet das Likes. Nimm die Flut an Penisbildern und schmierigen Nachrichten in deinem Postfach einfach als Kompliment.



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