Bremen-Liga vergibt Namensrechte an Gebäudereinigungsfirma

Angedacht war dieser Schritt schon seit mehreren Jahren, nun wird er umgesetzt: der Bremer Fußball-Verband (BFV) hat die Namensrechte der höchsten Herrenspielklasse an die Stark Gebäudereinigung GmbH aus Stuhr vergeben. Dies gab der BFV nun in einer Pressemitteilung bekannt.

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Demnach soll die Partnerschaft mit Beginn der Saison 2017/2018 ihren Anfang nehmen und zunächst auf drei Jahre Laufzeit angelegt sein. Ab 1. Juli 2017 trägt die Bremer Verbandsliga, welche die 5. Liga unterhalb der viertklassigen Regionalliga Nord darstellt, den offiziellen Namen "Stark Bremen-Liga". Mehrwert für die 16 Vereine entstehe durch eine jährlich ausgeschüttete Summe welche die Vereine durch das Anbringen eines Werbe-Badges auf ihren Trikotärmeln noch vergrößern können. Soweit die Informationen aus der Pressemitteilung des BFV.

Wer ist "Stark"?

Das Unternehmen beschäftigt derzeit mehr als 950 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Stuhr im Landkreis Diepholz, nur wenige Kilometer von der Bremer Stadtgrenze entfernt. Der 1977 gegründete Familienbetrieb hat sich laut Angaben der Firmenhomepage auf die Reinigung von Arztpraxen, Krankenhäusern, Büros, Treppenhäusern und (Glas-)Fassaden sowie auf Bauschluss-, Industrie-, Unterhalts- und Sonderreinigungen spezialisiert. "Stark" engagiert sich außerdem auch im sozialen Bereich, beispielsweise bei einer Spendenaktion von Antenne Niedersachsen oder als Pate der Aktion "Klasse2000" zur Förderung der Gesundheit von Kindern.

Vorwurf des Lohndumpings

Der Bremer Fußball-Verband gab die Partnerschaft mit "Stark" am 14. Februar unter anderem auch auf seiner Facebook-Seite bekannt. Im Kommentarbereich des Posts tauchten schnell Vorwürfe auf, "Stark" würde seine Mitarbeiter nur mit dem Mindestlohn abspeisen, anstelle eines Sponsorings solle man doch lieber die Angestellten besser bezahlen. Diesen Vorwurf des Lohndumpings kann ich nach meinen Recherchen nicht bestätigen. "Stark" hat auf seiner Homepage mehrere Stellenangebote geschaltet die transparent Auskunft über die Verdienstmöglichkeiten geben. Demnach werden alle Angestellten zumindest nach Tarifvertrag bezahlt, was hier 10 Euro brutto pro Stunde entspricht, also 1,16 Euro mehr als der gesetzliche Mindestlohn. Damit liegt "Stark" im Branchendurchschnitt: ein gelernter Gebäudereiniger verdient laut Informationen von ausbildung.de nach erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung ca. 1.500 bis 1.800 Euro brutto pro Monat als Einstiegsgehalt, bei einer 40-Stunden-Woche sind das ca. 9,38 Euro bis 11,25 Euro brutto pro Stunde. Reich wird man damit sicher nicht, doch daraus den Vorwurf des Lohndumpings oder der Mitarbeiterausbeutung zu konstruieren halte ich doch für deutlich zu weit hergeholt. Es ist absolut keine Werbung sondern schlicht die Wiedergabe von Tatsachen wenn ich sage dass "Stark" gemessen am Durchschnittslohn der Reinigungsbranche durchaus faire Löhne bezahlt, was in diesem Berufsfeld leider keine Selbstverständlichkeit ist. Ob die Löhne in der Branche insgesamt fair und zum Bestreiten des Lebensunterhalts ausreichend sind steht auf einem anderen Blatt, das wäre dann Diskussionsstoff für die Politik.

Mehrwert für die Vereine

Der Pressemitteilung des BFV sind keine konkreten Zahlen zu entnehmen wie viel Geld das Liga-Sponsoring in die Kassen der Vereine spülen wird. Aus Kreisen Vereinsverantwortlicher war aber zu erfahren dass der Grundbetrag 1.500 Euro pro Verein und Saison betragen soll. Die Vereine können den Betrag um zusätzliche 500 Euro erhöhen wenn sie ein entsprechendes Werbe-Badge auf den Ärmeln ihrer Trikots tragen lassen. Sollten alle Vereine diese Option nutzen, so würden in den drei Jahren ab der Saison 2017/2018 insgesamt 96.000 Euro an die Vereine ausgeschüttet werden. Der zunächst auf drei Spielzeiten befristete Partnerschaftsvertrag enthält eine Verlängerungsoption auf drei weitere Jahre, wobei der Pressemitteilung nicht zu entnehmen war ob diese Option nur einer oder beiden Vertragsparteien zur Verfügung steht.

Viel oder wenig?

Ob die bis zu 2.000 Euro jährliche Extraeinnahmen pro Verein nun viel oder wenig sind lässt sich nicht einheitlich beantworten. Für finanzstarke Vereine wie beispielsweise Ligaprimus Bremer SV, der in den vergangenen drei Jahren dank der Qualifikation für den DFB-Pokal sogar mit geringen sechsstelligen Summen hantieren kann, wäre dies vermutlich nur ein kleines nettes Zubrot. Sollte der Bremer Meister die Teilnahme am DFB-Pokal jedoch einmal verpassen, so könnte diese zusätzliche Einnahme ebenso wie bei Teams mit kleinerem Etat plötzlich ganz wichtig werden. Außerdem gibt es auch noch einige ungeklärte Fragen. Wie ist beispielsweise damit umzugehen wenn ein Verein bereits eine andere Gebäudereinigungsfirma als Sponsor gewinnen konnte und mit dieser vielleicht schon einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen hat? Grundsätzlich ist es jedoch sehr zu begrüssen dass durch diesen Werbedeal der finanzielle Spielraum der Vereine etwas vergrößert wird, sodass die Liga insgesamt ihren enormen Rückstand in puncto Leistungsdichte gegenüber den anderen norddeutschen Oberligen vielleicht wenigstens ein kleines bisschen aufholen kann. Langfristig gesehen hätten Bremer Amateurvereine dann eventuell die Chance die Grenze zur Viertklassigkeit nicht nur zu durchbrechen sondern dort auch eine erfolgreichere Rolle zu spielen als bloß Kanonenfutter zu sein. Doch das ist, zumindest noch, Zukunftsmusik.

Sinn und Unsinn des Namenssponsorings

Von mir entworfenes Bremen-Liga-Logo.
Von mir entworfenes Bremen-Liga-Logo.

Ich muss ehrlich gestehen dass ich absolut kein Freund des Namenssponsorings bin. Jedoch stammen alle Beispiele, von denen ich jetzt unzählige aufführen könnte, aus dem Bereich des Profifußballs. Fans des 1. FC Nürnberg wurden durch den potthäßlichen Schriftzug "e@syCredit-Stadion" bestimmt nicht dazu animiert dort Kunde zu werden sondern entwickelten gegenüber dem Produkt eher negative Assoziationen bis hin zu nackter Ablehnung. Die Fans des HSV haben schon so viele Namensänderungen ihres Volksparkstadions hinter sich dass viele es kaum noch zählen, geschweige sich an jeden Namen erinnern können - wodurch das Namenssponsoring komplett seinen Sinn verliert. Der neue Name "Stark Bremen-Liga" ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, mit etwas Witz und Originalität hätte man daraus vielleicht eine "STARKe Bremen-Liga" machen können. Aber sei's drum, im Amateurbereich stehe ich einem solchen Namensmonstrum sehr viel wohlwollender gegenüber als im Profibereich, denn gerade in einer Stadt wie Bremen ist es für Amateurvereine schon seit langer Zeit äußerst schwer Sponsoren und somit Unterstützer für die Basis des Fußballsports zu gewinnen. Schade finde ich nur dass das von mir zu meiner Zeit als Medienbeauftragter des Bremer SV entworfene Logo der Bremen-Liga, welches abgesehen vom BSV bisher nur von mir und gelegentlich vom "Sportbuzzer Weser-Kurier" verwendet wird, dann wohl in der Versenkung verschwinden wird. Ich hatte damals gehofft damit einen kleinen Beitrag zur Verschönerung der Liga leisten zu können.



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