Merkel-Dämmerung

Angela Merkel geht. Zwar nicht sofort sondern eher in Raten, aber sie geht. Keine weitere Kandidierung als Vorsitzende der CDU beim Parteitag im Dezember in Hamburg. Ebenso keine erneute Kanzler-Kandidatur bei den nächsten Bundestagswahlen in drei Jahren. Keine Ambitionen mehr auf ein Bundestagsmandat oder für einen Job in Brüssel, so hat sie es auf einer Pressekonferenz gestern verkündet. Oder anders ausgedrückt: vollständiger Rückzug aus der Politik. Merkel geht.


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Merkel hatte ihre Pressekonferenz noch nicht mal beendet, da wurden einem von diversen Nachrichtenagenturen wie Knüppel aus dem Sack schon die Namen potenzieller oder selbsternannter Nachfolger um die Ohren gehauen. Annegret Kramp-Karrenbauer. Jens Spahn. Friedrich Merz. Carsten Linnemann. Armin Laschet. Daniel Günther. Julia Klöckner. Ursula von der Leyen. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, enthält aber bisher keinen einzigen Namen der dem von Merkel benutzten Begriff "Zäsur", also einem tiefgreifenden Neuanfang, auch nur annähernd gerecht werden würde. Das Spektrum meiner Bewertung dieser Personalliste reicht von Augenrollen bis hin zu blanken Entsetzen.

 

Bei der AfD knallten vermutlich die Sektkorken, obwohl ein Abtritt Angela Merkels von der politischen Bühne eigentlich so ziemlich das schlimmste ist was dieser Partei passieren kann, löst sich damit doch mindestens 50 Prozent ihrer politischen Ziele in Luft auf. "Merkel muss weg" und "Muslime raus", das ist alles was diese Partei inhaltlich zu bieten hat. Für alle WIRKLICHEN Probleme dieses Landes liefert sie keine einzige Lösung. In der gesamten Geschichte ihrer Existenz hat die AfD noch keinen einzigen positiven, produktiven oder konstruktiven Beitrag für die deutsche Gesellschaft geleistet. Ihre vollständige politische Inkompetenz steckt in einer Verpackung aus Hass und Hetze, dafür verbreitet sie vorsätzlich und mit System ein Vielfaches mehr an Lügen und Desinformation als alle anderen Parteien zusammen. Mit hastig zusammengeflickten Sharepics in den sozialen Netzwerken herumpöbeln, darin ist die AfD Spitzenklasse, einen übermäßig belichteten Geist braucht es dazu allerdings natürlich nicht. Die AfD ist pure Destruktivität, weshalb es ein Segen für alle Menschen in Deutschland und Europa wäre wenn diese Partei aufgrund des nun wegfallenden Haupt-Feindbildes in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken würde.

 

Auslöser für Merkels politischen Rückzug waren die schlechten Wahlergebnisse der Union in der jüngeren Vergangenheit. Würden alle Parteien diesem Gusto folgen müsste die Vorstandsetage der SPD wohl vollständig geräumt werden. Die Sozialdemokraten bekamen bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen vom Wähler sehr viel heftiger auf die Fresse als die Union, weshalb es im Willy-Brandt-Haus eigentlich Rücktritte nur so hageln müsste. Doch stattdessen stellt sich Andrea Nahles vor die Mikrofone und sondert exakt das gleiche inhaltslose Blabla ab wie nach jedem roten Wahldebakel – von denen es auch vor der Bayernwahl ja so einige gab. Dass die SPD auch vom hessischen Wähler eine schallende Ohrfeige verpasst bekam war eigentlich für niemanden eine wirkliche Überraschung. Viel zu lange schon verdingt sich die SPD in der großen Koalition als devote Sklavenfraktion die wirklich jeden Bullshit der Union (sogar der CSU) mit trägt und dabei so ziemlich alle Ideale der Sozialdemokratie über Bord wirft. Will die SPD diese Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise nachhaltig überwinden, so führt wohl kaum ein Weg daran vorbei die Parteiführung komplett auszutauschen und die große Koalition sowohl unverzüglich zu verlassen als auch in weiterer Zukunft zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.

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