· 

Bremen-Liga verliert Sponsor

Die höchste Spielklasse im Herren-Amateurfußball Bremens verliert zur kommenden Saison ihren Namenssponsor. Nach zwei Spielzeiten steigt die Stark Gebäudereinigung GmbH aus dem Vertrag aus, was für die Vereine einen finanziellen Verlust bedeutet.

Stark Bremen-Liga Meisterschale
Die Meisterschale der Bremen-Liga (Foto: BFV).

Diesen Beitrag teilen:

Ein "Gefällt mir" für Facebook:

Über diesen Artikel twittern:



Die "Stark Bremen-Liga" verliert mit Ende der Saison 2018/2019 ihren namensgebenden Sponsor. Die Stark Gebäudereinigung GmbH aus dem Bremer Vorort Stuhr hat von einer Klausel im ursprünglich über drei Jahre laufenden Vertrag Gebrauch gemacht, die es dem Unternehmen erlaubt bereits nach zwei Jahren aus dem Sponsoringverhältnis auszusteigen.

 

Bremens höchste Herrenspielklasse trug seit Beginn der Saison 2017/2018 den Namen der Gebäudereinigungsfirma. Neben einer etwas attraktiveren Außendarstellung wie zum Beispiel ein neues Wettbewerbslogo (siehe unten) profitierten die Vereine auch finanziell von dieser Kooperation: pro Saison wurden an jeden Bremen-Ligisten 1.500 Euro ausgeschüttet, eine Menge Geld für einen Fünftligisten. Brachte ein Team zusätzlich noch das neue Wettbewerbslogo als Badge auf den Ärmeln seiner Trikots an gab es sogar noch 500 Euro extra. Die Gesamtsumme der an die Vereine ausbezahlten Prämien lag in den zwei Jahren demnach irgendwo zwischen 48.000 Euro und 64.000 Euro. Geld dass den 16 Bremen-Ligisten der Saison 2019/2020 nun im Jahresetat fehlen wird.

 

Bald obsolet: das Logo der "Stark Bremen-Liga".
Bald obsolet: das Logo der "Stark Bremen-Liga".

Das Ende kommt nun relativ plötzlich, vor allem angesichts der Tatsache dass diese Zusammenarbeit ursprünglich deutlich langfristiger geplant war. Olaf Stark, Geschäftsführer der Stark Gebäudereinigung GmbH, gab im Interview mit dem "Sportbuzzer Weser-Kurier" zu Protokoll dass er sich durchaus eine Langzeitbeziehung vorstellen würde: "Wenn wir etwas starten, dann langfristig. Wir werden nach drei Jahren sehen, was passiert ist, und über die Option für drei weitere Jahre sprechen. Das Projekt ist schon auf sechs Jahre ausgelegt." [Vollständiges Interview hier.]

 

Anstelle eines zweiten Drei-Jahre-Vertrags wurde nun also schon der erste nach zwei Drittel seiner Laufzeit gekappt. In der Pressemitteilung, die der Bremer Fußball-Verband zum Ende des Namenssponsorings veröffentlicht hat [nachzulesen hier] heißt es, die Stark Gebäudereinigung GmbH habe sich zu diesem Schritt entschlossen da "das Ziel des Sponsoringengagements nicht erreicht wurde." Konkret heißt es weiter: "Dieses Ziel ist aus Sicht der Stark Gebäudereinigung insbesondere durch die Nicht-Nennung des vollständigen Liganamens in den lokalen Printmedien verfehlt worden." Dieser Satz kann als deutlicher Vorwurf an den Weser-Kurier interpretiert werden. Die Zeitung ist so ziemlich das einzige Printmedium in Bremen und Umgebung dass zumindest gelegentlich über den Werder-Tellerrand hinausschaut und auch Bremens höchster Amateurliga Aufmerksamkeit widmet.

 

Mangelndes Berichterstattungs-Engagement in Sachen Amateurfußball kann man dem Weser-Kurier pauschal allerdings keineswegs vorwerfen, denn deren "Sportbuzzer"-Portal informiert zumindest im Netz täglich über den Bremer Fußball abseits der Bundesliga. Vor allem auf Facebook ist die Seite des "Sportbuzzer" eine der Hauptinformationsquellen für am Bremer Amateurfußball Interessierte, die Seite hat aktuell etwa 9.600 Abonnenten. Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen verlinkt der "Sportbuzzer" in seinen Facebook-Posts jedoch nie auf die vom Bremer Fußball-Verband geführte offizielle Seite der "Stark Bremen-Liga" [hier], sondern auf eine vom "Sportbuzzer" selbst erstellte Seite [hier]. Diese Seite hat zwar den identischen Namen wie die Offizielle, verwendet aber nicht das offizielle Logo (also auch ohne die Werbebotschaft der Firma Stark) sondern ein Inoffizielles dass ich vor einigen Jahren entworfen habe als ich noch als Medienbeauftragter des Bremer SV tätig war (nach der Veröffentlichung des Logos habe ich auf jegliche Urheberrechte verzichtet und es zur Nutzung für alle und jeden freigegeben). Auf dieser inoffiziellen Seite, die aktuell ungefähr 1.300 Abonnenten hat, erscheinen jedoch lediglich die selben Artikel wie auf der Hauptseite des "Sportbuzzer", was die Seite eigentlich komplett überflüssig macht.

 

Trotz alledem halte ich es für unangebracht dem Weser-Kurier und/oder dem "Sportbuzzer" die Schuld an der verfehlten Werbewirkung zuzuschreiben. Dort arbeiten schließlich Journalisten, und die haben nicht die primäre Aufgabe Werbebotschaften zu multiplizieren. Die Nicht-Nennung des vollständigen Liga-Namens mag vielleicht eine Ursache dafür sein dass sich die Vorstellungen über die Werbewirkung nicht erfüllt haben, es ist jedoch ein Umstand den man hätte einkalkulieren müssen.

 

Eine gewisse Mitschuld an ihrer gelegentlich glanzlosen Außendarstellung hat sicherlich auch die Liga selbst. Seit Sommer 2017 hatte die Liga schließlich mit einigen Vorfällen zu kämpfen die wenig geeignet waren um die fünfte Liga an der Weser in einem positiven Licht erstrahlen zu lassen. Rassismus-Vorwürfe beim BSC Hastedt, die "Chaos-Tage" beim Bremer SV, Spielabbrüche beim KSV Vatan Spor, Gerüchte über Spielmanipulationen, das äußerst heftige Scheitern des amtierenden Meisters Brinkumer SV in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord - die Liste der negativen Ereignisse ist lang, wobei man fairerweise hinzufügen muss dass diesbezüglich nun schon seit längerer Zeit "Ruhe eingekehrt" ist. Derzeit präsentiert die Stark Bremen-Liga einen an der Spitze spannenden Zweikampf zwischen dem Bremer SV und dem FC Oberneuland um die Meisterschaft, und auch der Fight um Abstieg und Klassenerhalt dürfte wohl erst spät in der Saison entschieden werden.

 

Ist die Bremen-Liga schlicht nicht reif für einen solchen Grad der Professionalisierung? Ich denke nicht dass das zutrifft. Natürlich verfügen bei weitem nicht alle Vereine über solch professionelle Strukturen wie beispielsweise Bremer SV oder auch der FC Oberneuland, schließlich handelt es sich hierbei um eine Amateurliga. Aber in den vergangenen Jahren hat die Liga in puncto Öffentlichkeitsarbeit und Außendarstellung große Fortschritte gemacht, wie beispielsweise die Erhöhung der Liveticker-Quote oder auch dass der Bremer Fußball-Verband einen hauptamtlichen Medienbeauftragten engagiert hat, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen habe ich für den BSC Hastedt im Rahmen unseres Auftritts im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach wohl auch keinen allzu schlechten Job gemacht.

 

Ob es ab der Saison 2019/2020 einen neuen Namenssponsor geben wird ist, zumindest nach meinem Kenntnisstand, derzeit völlig offen. Im Moment sieht es danach aus dass ab 1. Juli wieder in der schlichten "Bremen-Liga" gespielt wird. Sollte sich ein neuer Kooperationspartner finden bin ich davon überzeugt dass der an der Bremen-Liga seine Freude haben wird, wenn er einen vielleicht etwas längeren Atem behält. Denn man sollte, auch aus Marketing-Sicht, keinesfalls den Fehler machen die Bremen-Liga als Hochglanzprodukt wie die Champions League anzusehen. Das ist die Bremen-Liga nicht und das wird sie auch hoffentlich nie sein. Die Bremen-Liga ist purer Amateurfußball, sowohl im negativen als auch im positiven Sinn des Wortes. Negativ, weil hier der Sport und die Sportler im absoluten Vordergrund stehen, nicht die profitabelste Vermarktung. Und positiv... aus genau dem gleichen Grund.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0