Facebook-Seiten: ohne Moos nix mehr los

Facebook hat schon so manche Verschlimmbesserung in die Welt gesetzt – und die nächste ist schon unterwegs. Diesmal betrifft es die Facebook-Seiten, die bald mehr oder weniger von der Bildfläche verschwinden werden – es sei denn, die Seitenbetreiber sind willens und in der Lage, ordentlich Geld in die Hand zu nehmen.


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Was ist los?

Facebook führt derzeit in sechs Ländern (Bolivien, Guatemala, Kambodscha, Serbien, Slowakei und Sri Lanka) einen Testlauf durch, der, falls er weltweit als Standard übernommen werden sollte, die Reichweite aller Facebook-Seiten ("Fanpages") auf nahezu null einbrechen lassen würde, sofern die betreffenden Administratoren nicht willens oder in der Lage sind ordentlich Geld in ihre Seiten zu stecken. Konkret sieht der Test folgendermaßen aus: die Beiträge von Facebook-Seiten werden in einen neuen Newsfeed ausgelagert, dem so genannten "Explorer Feed". Der ist für alle User verfügbar, wird jedoch nicht automatisch angezeigt; der User muss erst auf diesen neuen Feed umschalten. In seinem normalen Newsfeed bekommt der User nur noch Beiträge von Freunden sowie aus Gruppen zu sehen – und Werbung, also "beworbene" und somit kostenpflichtige Beiträge und Anzeigen von Seiten.

Welche Folgen hat das?

Seiten müssen sich in den normalen Newsfeed "reinkaufen", wollen sie mit ihren Beiträgen nicht nur im "Explorer Feed" versauern. Welche Folgen diese Umstellung hat konnte man in der jüngsten Vergangenheit sehr gut in der Slowakei beobachten. Bei sehr vielen slowakischen Seiten sank die Reichweite innerhalb weniger Tage um zwei Drittel und die Zahl der Seiten-Interaktionen (Klicks auf "Gefällt mir" und "Teilen" sowie Kommentare) brach sogar um über 75 Prozent ein. Bei Seiten aus Guatemala und Kambodscha wurden sehr ähnliche Werte beobachtet; "kleinere" Seiten sank rauschten in ihrer organischen Reichweite sogar fast auf null. Eine Hiobsbotschaft beispielsweise für Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), gemeinnützige Vereine (wie z.B. die von mir betreuten Seiten des Bremer SV) und alle anderen denen kein Budget zur Verfügung steht um ihre Reichweite mithilfe von kostenpflichtigen Anzeigen und beworbenen Beiträgen wieder nach oben zu pushen. Und diejenigen denen ein solches Budget doch zur Verfügung steht werden bald deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen, denn die entsprechenden Preise wurden in den Testländern massiv angehoben. Für viele die sich das nicht leisten können oder wollen dürfte Facebook damit bald nutzlos werden.

Wird der Bremer SV seine Facebook-Seiten jetzt löschen?

Nein, das werden wir nicht tun – zumal es sich bei den oben beschriebenen Vorgängen (zumindest bis jetzt) "nur" um einen Test handelt. Ob Facebook diese Änderungen als neuen weltweiten Standard übernehmen wird steht noch nicht fest, das Unternehmen hat es bis jetzt vermieden hierzu klar Stellung zu beziehen. Man kann jedoch davon ausgehen dass Facebook diesen Test nicht durchführen würde wenn sich dahinter keine konkrete Änderungsabsichten verbergen würden, sonst wäre der Aufwand viel zu groß. Aber selbst wenn Facebook ernst macht und den "Explorer Feed" einführt: der Bremer SV wird seine Seiten weiter pflegen und mit Inhalten füllen, so wie bisher gewohnt. Für den User wird dies dann nur leider nicht mehr automatisch zu sehen sein, weswegen wir alternativ auch auf andere soziale Plattformen (z.B. Twitter) sowie auf unsere Zuckerberg-unabhängige Homepage setzen werden. Das wir Geld in Anzeigen oder beworbene Beiträge investieren werden ist unwahrscheinlich, denn entgegen der in der Bremen-Liga weit verbreiteten Meinung wächst nämlich auch beim Bremer SV das Geld nicht auf Bäumen.

Fazit

Der Blog allfacebook.de schrieb sehr treffend: organische Reichweite ist ein Geschenk, und wie bei jedem Geschenk weiß man vorher nicht was man kriegt. Dieses bisher kostenlose Geschenk wird uns von Facebook nun wohl wieder weggenommen, künftig muss Bares auf den Tisch gelegt werden. Das lässt die Herzen der Facebook-Aktionäre höher schlagen und hat für den User nur den einen Vorteil dass nervige Fun-Seiten auch in der Versenkung verschwinden werden. Will der User jedoch Informationen über das Thema seiner Wahl wird es sich in Zukunft vermutlich lohnen außerhalb von Facebook nachzusehen.


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Der Autor:

Thilo Huntemüller (verheiratet, Jahrgang 1981) betreut ehrenamtlich die Homepage und Social Media-Kanäle des Bremer SV. In dieser Funktion war er beispielsweise verantwortlich für den "kindlichen" Brief an Eintracht Frankfurt oder für das Transferangebot an Claudio Pizarro. Hauptberuflich arbeitet Thilo Huntemüller bei einem privaten Sicherheitsdienstleister, unter anderem knapp zwei Jahre in einer Bremer Flüchtlingsunterkunft. Der leidenschaftliche Star Trek-Fan und Hobby-Trance-DJ sieht sich als Kritiker des Profifußballs und dessen kommerzielle Auswüchse und positioniert sich entschieden gegen jede Form von Gewalt, Rechtspopulismus, Nationalismus und Faschismus.

 

Thilo Huntemüller [bei Facebook] | [bei Twitter]


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