Unter meinen Fans sind Nazis – was tun?

Das war nicht schön, was es auf den Rängen des WM-Qualifikationsspiels zwischen Tschechien und Deutschland zu sehen gab. Und ich frage mich: kann das auch bei meinem Verein passieren? Und was sollte man dann tun?

Diesen Beitrag teilen:



Es beginnt schon damit wie man über solche Vorfälle berichtet. Da werden Anführungszeichen oder degradierende Synonyme benutzt, aber die Wahrheit ist leider: bei den ausfällig gewordenen Typen in Prag handelte es sich schlicht um ergreifend um Nazis. Gleichzeitig waren es aber auch Fußballfans, da hilft auch das schönste Anführungszeichen nichts. Auch Fans können Nazis sein, auch wenn es nur sehr wenige Vereine gibt die sich solche Fans wünschen. In der Regel will man solche Fans nicht, zurecht, und dann werden eben die besagten Anführungszeichen benutzt oder die Unerwünschten werden als "sogenannte Fans" bezeichnet. Von solchen Leuten will man sich distanzieren, logisch, aber das ändert leider nichts an der Tatsache dass diese Menschen Fans von deinem Verein sind, ob du willst oder nicht. Leugnen hilft da nicht, eben so wenig wie totschweigen.

 

Wenn ich jetzt merke dass sich Nazis unter den Fans meines Vereins befinden, was sollte ich dann tun? Ich selber arbeite für einen Fußballverein, für den Bremer SV. Wir spielen zwar nur in der fünften Liga, haben aber durch mehrere Teilnahmen am DFB-Pokal und an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga in den letzten Jahren auch überregionale Bekanntheit erreicht.

 

Gibt es Nazis unter den Vereinsangehörigen oder Fans des Bremer SV? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Mir ist bisher niemand in dieser Richtung aufgefallen, aber einem Nazi sieht man seine braune Gesinnung ja auch nicht unbedingt an der Nasenspitze an – Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze sind leider mehr Klischee als Erkennungsmerkmal. Es würde mich persönlich aber eher überraschen wenn sich beim BSV ein Nazi finden würde, denn meine Vereinskollegen und ich geben unser Bestes um im Klub ein Umfeld zu schaffen in dem sich Nazis eigentlich nicht wirklich wohl fühlen dürften.

 

Unser Vereinsvorstand legt Wert darauf zu betonen dass der Bremer SV politisch ausdrücklich neutral ist, was in Teilen auch stimmt. Unter den Vorstandsmitgliedern, Vereinsmitarbeitern, Spielern und Mitgliedern finden sich Anhänger so ziemlich jeder deutschen Partei. So bunt wie der Verein politisch ist, so vielfältig ist er auch bei seinen Mitgliedern: diese sind äußerst multinational, was wir als große Bereicherung und sogar Stärke empfinden. Und genau in diesem Aspekt liegt der Punkt, an dem der Bremer SV eben nicht politisch neutral ist. Denn all diese Eigenschaften stehen im unvereinbaren Gegensatz zu den Präferenzen des politisch rechten Flügels. Wer zum BSV kommen will wird nicht gefragt woher er kommt, zu welchem Gott er betet oder wie seine sexuellen Vorlieben lauten, sondern einfach nur: "Hast Du Bock auf Fußball? Ja? Cool, komm rein, nimm Dir 'n Bier!"

 

Durch unsere Vereinsarbeit und unser Vereinsleben schaffen wir ein Umfeld, dass für Nazis nur sehr wenig bis gar nicht attraktiv sein dürfte. Wir sind sogar so optimistisch dass wir hoffen dadurch einigen Rechten (und wenn es nur ein einziger ist!) demonstrieren zu können dass "Nazi sein" einfach nur falsch und dumm ist. Der Bremer SV ist zur Zeit der erfolgreichste Fußballverein Bremens, ohne die unzähligen kreativen und bunten Einflüsse und Inspirationen von allen möglichen Seiten wäre das niemals möglich gewesen.

 

Aber auch wir sind natürlich nicht vollends sicher davor dass eines Tages Nazis in unserem Stadion am Panzenberg auftauchen, rechten Mist grölen und den rechten Arm nach vorne strecken. Diesen Leuten würden wir dann auf äußerst unmissverständliche Art und Weise klar machen dass sie bei uns nicht willkommen sind und ihr Aufenthalt am Panzenberg wäre auch garantiert nicht von langer Dauer.

 

Wir begrüßen den Dialog und zwar ausnahmslos mit jedem. Es kam schon oft vor dass sich in unserer Stadionkneipe "Halbzeit" Anhänger von beispielsweise Union und SPD über irgendwelche Themen bis tief in die Nacht hinein die Köpfe dampfig diskutiert haben und nicht selten konnte man sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Wir glauben an die Diskussion und daran dass sie das einzig legitime Mittel ist um Probleme zu lösen. Woran wir nicht glauben, was wir sogar strikt ablehnen, ist Gewalt und Hass. Diese beiden Dinge haben in der gesamten Geschichte der Menschheit noch kein einziges Problem gelöst, dafür aber unzählige geschaffen.

 

An die Berichterstatter: wenn sich jemand wie ein Nazi verhält, dann sollte er auch genau so genannt werden. Sie stattdessen nur mit Worten wie "Chaoten" oder "Hooligans" zu beschreiben mag nicht falsch sein, verfehlt aber den Kern des Problems und verletzt außerdem die journalistische Sorgfaltspflicht.


An die Vereine und Verbände: wenn Nazis auf Euren Tribünen auftauchen, dann sind das keine "Fans" oder "sogenannte Fans", sondern Fans. Auch wenn ihr sie nicht mögt. Denn ihr bestimmt nicht wer wovon Fan ist. Bestimmt stattdessen euer Vereinsleben und -umfeld so dass sich Nazis dort nicht wohlfühlen oder, im Idealfall, von der Abkehr von ihrer braunen Ideologie überzeugt werden. Dazu darf man sich auch ruhig öffentlich eindeutig positionieren. Und wenn sich Leute auf euren Tribünen trotzdem hartnäckig daneben benehmen, dann schmeißt sie raus und lasst nicht zu dass sie euren Verein als Plattform missbrauchen.


Diesen Beitrag teilen:



Kommentare:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0